OFFENER BRIEF
AN DIE GEMEINDE
Meran muss wieder Wohnstadt werden!
Ein Bürgerappell an die politischen Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgemeinde Meran
Sehr geehrte Damen und Herren,
Meran ist eine attraktive und lebenswerte Stadt, bzw. war es einmal,....
Die besondere Mischung aus hoher Lebensqualität, gewachsener Stadtkultur, Landschaft & Kurtradition macht sie für Bewohnerinnen und Bewohner wie für Gäste gleichermaßen anziehend. Der Tourismus gehört seit Langem zu Meran und ist für viele Familien DAS wirtschaftliche Standbein. Gastfreundschaft ist Teil der Identität dieser unserer Stadt.
Genau deshalb ist unser Anliegen keine Ablehnung des Tourismusgewerbes an sich, sondern ein Eintreten für ein besseres Gleichgewicht: Meran soll Gaststadt sein, aber zuerst Wohnstadt bleiben.
Viele Bürgerinnen und Bürger beobachten seit Längerem mit wachsender Sorge eine Entwicklung, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Der Tourismus dehnt sich zunehmend in Bereiche aus, die für das tägliche Leben der Einwohner unverzichtbar sind. Wohnraum wird knapper und teurer. Wohnungen werden dem regulären Markt entzogen und touristisch genutzt. In einzelnen Viertel (z.B.Steinach) verändert sich das Stadtbild spürbar: Wo früher dauerhaft gewohnt wurde, entstehen zunehmend temporäre Nutzungen. Für viele Einheimische, Familien, junge Menschen und ältere Bürger wird es immer schwieriger bzw. sogar unmöglich, in Meran bezahlbaren Wohnraum zu finden und im vertrauten Umfeld (“Drhuam”) zu bleiben.
Hinzu kommt ein wachsendes Gefühl, dass die Belastungen des Tourismus von der Stadtbevölkerung getragen werden, während der konkrete Nutzen sehr ungleich verteilt ist. Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Druck auf öffentliche Räume, mehr Verdrängung im Wohnungsmarkt und eine schleichende Veränderung der Nahversorgung [“foodification”] werden im Alltag spürbar. Viele Bürger haben den Eindruck, dass diese Entwicklung ohne klare Leitplanken verläuft.
Gerade deshalb ist jetzt beherztes politisches Handeln erforderlich.
Es geht nicht darum, den Tourismus grundsätzlich infrage zu stellen. Es geht darum, ein Gleichgewicht herzustellen. Meran darf nicht zu einer Stadt werden, in der Wohnen, Alltag und Nachbarschaft schrittweise hinter touristische Verwertungsinteressen zurücktreten. Eine Stadt, in der man gut Urlaub machen kann, muss zuerst eine Stadt sein, in der man gut leben kann.
Wir bitten Sie daher, das Thema mit hoher Priorität aufzugreifen und gemeinsam mit Bürgern und Fachleuten konkrete Maßnahmen zu prüfen und umzusetzen. Dabei ist uns bewusst, dass nicht alle Punkte allein auf Gemeindeebene lösbar sind. Wir unterscheiden deshalb bewusst zwischen Maßnahmen, die Meran direkt umsetzen kann, und Anliegen, die die Stadt gegenüber Bezirksgemeinschaft und Provinz vertreten und einfordern sollte.
A) Was Meran als Gemeinde direkt umsetzen kann
1. Kurzzeitvermietung stärker regulieren
Die Umwandlung von Wohnungen in touristische Nutzungen darf nicht unkontrolliert weitergehen. Wohnraum muss in erster Linie dem dauerhaften Wohnen dienen.
2. Gästebettenvergabe an soziale und ökologische Kriterien knüpfen
Neue touristische Kapazitäten sollten künftig an Kriterien geknüpft werden, die Wohnraum und Lebensqualität der Einheimischen schützen.
3. Ortstaxe stärker für Lebensraum einsetzen
Einnahmen aus dem Tourismus sollten sichtbar auch der Wohnraum- und Lebensqualität der Stadtbevölkerung zugutekommen.
4. Transparenz und Kontrolldruck erhöhen
Die Stadt sollte belastbare Daten erheben und öffentlich machen: Entwicklung von Kurzzeitvermietungen, Auswirkungen auf Miet- und Kaufpreise, räumliche Ballungen, Leerstände und Veränderungen in den Quartieren.
5. Ein strukturierter Bürgerdialog
Viele Menschen erleben die Entwicklung mit Sorge, fühlen sich aber nicht ausreichend gehört. Es braucht ein ernsthaftes Beteiligungsformat, in dem Wahrnehmungen, Erfahrungen und Vorschläge der Bürgerschaft aufgenommen werden.
B) Was strukturell wichtig ist, aber über die Befugnisse der Gemeinde hinausgeht
Hier wünschen wir uns eine klare Positionierung Merans gegenüber Land und Provinz:
1. Leerstandserfassung
Eine systematische Erhebung leerstehenden Wohnraums, die über kommunale Instrumente hinaus auch landesweite Regelungen braucht.
2. Mobilitätswende
Verkehrsentlastung und Besucherlenkung erfordern überörtliche Konzepte und die Zusammenarbeit mit dem Land.
3. Übergemeindliche Initiativen
Overtourism macht an Gemeindegrenzen nicht halt. Meran sollte sich aktiv für abgestimmte Lösungen mit Nachbargemeinden und dem Land einsetzen.
Meran war immer offen, gastfreundlich und lebendig. Gerade deshalb wollen wir verhindern, dass diese Offenheit kippt und in Entfremdung umschlägt. Tourismus braucht Akzeptanz. Und Akzeptanz entsteht nur dort, wo die Bevölkerung spürt, dass ihre Interessen geschützt, ihre Lebensqualität ernst genommen und ihre Stadt nicht zur bloßen Kulisse wird.
Meran muss wieder Wohnstadt werden!
Dafür braucht es jetzt Aufmerksamkeit, Klarheit und den politischen Willen, frühzeitig zu handeln.
Wir bitten Sie deshalb, dieses Thema auf die politische Agenda zu setzen und zeitnah konkrete Schritte einzuleiten.
Mit freundlichen Grüßen
Die Initiativgruppe